Hörprüfungen
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Hörprüfungen 

 

Hörprüfungen

Tonschwellenaudiogramm

Geprüft wird die Tonschwelle, das heißt Töne oder tonähnliche Geräusche in einer Lautstärke, die gerade eben wahrgenommen werden können. Die Töne werden zunächst über Kopfhörer angeboten (Messung des sogenannten Luftleitungshören, das heißt die Töne werden über den Gehörgang dem Ohr auf normalem Weg zugeführt). In einer zweiten Messserie werden die Töne mit einem Art Vibrator bzw. Knochenleitungshörer, der auf den Schädelknochen hinter dem Ohr angepresst wird, dem Innenohr direkt zugeführt. Dabei wird der Gehörgang und das Mittelohr mit seinen Gehörknöchelchen umgangen, es wird direkt das Hörvermögen im Innenohr gemessen (Messung des sogenannten Knochenleitungshören).

Für spezielle Anforderungen, wie Messungen bei Kindern, Überprüfung von Hörgeräten können die Töne auch über Lautsprecher angeboten werden (sogenannte Freifeldmessung).

Die Messungen werden mit verschiedenen Tonhöhen durchgeführt, um einen Überblick über die geamte Hörleistung zu gewinnen. Um Störgeräusche auszuschalten sollten die Messungen in einem schallisolierten Raum oder in einer Schallschutzkabine durchgeführt werden.

Damit die Töne besser wahrgenommen werden können, ist es möglich, sie als unterbrochene Töne anzubieten oder die Tonhöhe gering zu variieren (sog. Wobbeltöne).

Insbesondere bei seitendifferentem Hören ist es oft schwierig, das Hörvermögen des schlechteren Ohres festzustellen, da das bessere Ohr schon längst mithört, während das schlechtere Ohr noch gar nichts hört. In solchen Fällen muss das bessere Ohr durch ein Rauschen geeigneter Lautstärke ausgeschaltet werden. Diesen messtechnischen Trick bezeichnet man als Vertäubung.

Eine exakte Messung erfordert daher Aufmerksamkeit und Sorgfalt sowohl vom Prüfer wie vom Patienten!

 

Sprachaudiogramm

Im Sprachaudiogramm werden Zahlen zwischen 21 und 99 sowie Einsilber (z. B. Arzt, Stuhl, Kind etc.) bei verschiedenen Lautstärken geprüft. Die Anfangslautstärken sind bei Zahlen auch bei Normalhörigkeit kaum zu verstehen, bei den Einsilbern jedoch bei Normalhörigkeit gut zu verstehen. Die Lautstärken werden dann gesteigert und es wird die dann sich verbessernde Sprachverständlichkeit  gemessen in Prozent der verstandenen Wörter.

Es existieren Tabellen, die zeigen, wie groß der Hörverlust ist und ob die Messung des Tonschwellenaudiogramms und des Sprachaudiogramms einigermaßen zusammenpassen und somit verlässlich sind.

 

Kinderaudiometrie am Mainzer Kinderspieltisch sowie Kindersprachaudiometrie nach Jacobi-Albrecht

Tonschwellenaudiogramme und Sprachaudiogramme lassen sich mit Kindern zwischen zwei und sechs Jahren naturgemäß schwer erstellen. Der sog. Mainzer Kinderspieltisch bietet den Kindern an einem kleinen Tisch Spielzeug an, auf Kopfhörer, die Kinder oft verängstigen, wird meist zugunsten von Lautsprechern verzichtet. Im Kindersprachaudiogramm werden kindgerechte Wörter angeboten (z. B. Ball, Hund, etc.) oder ganze Sätze (z. B.: Rieche an der Blume!), die auf das vorhandene Spielzeug Bezug nehmen und zum Spielen auffordern.

Solche Hörprüfungen erfordern viel Geduld und auch Erfahrung seitens des Prüfers.

 

Dichotischer Hörtest

Bei diesem Test werden in einer Lautstärke, die ein sicheres Sprachverständnis erwarten lässt, auf dem linken und rechten Ohr völlig unterschiedliche mehsilbige Wörter gleicher Länge und gleicher Rhytmik angeboten (z. B. rechts: der Blumentopf, links: das Federbett). Im Idealfall können beide Wörter erkannt werden. Dieser Test ist in der Regel frühestens im Schulalter durchführbar und testet die Verarbeitung des Gehörten in höheren Sprachzentren.

 

Impedanzaudiometrie

Die Impedanzmessung ist die Messung des akustischen Scheinwiderstandes des Trommelfells. Der akustische Scheinwiderstand entspricht dem Schallanteil, der vom Trommelfell reflekiert wird. Der akustische Scheinwiderstand ändert sich je nach Spannung des Trommelfells: Bei vollgespanntem Trommelfell, z. B. bei Über- oder Unterdruck im Gehörgang wird mehr Schallenergie vom Trommelfell zurückgestrahlt als bei Normaldruck bzw. normaler Stellung des Trommelfells. Die Änderung der Impedanz bzw. des akustischen Scheinwiderstandes entspricht somit der Trommelfellbeweglichkeit. Die Messung ist berührungsfrei möglich:

Ein Stöpsel verschließt den Gehörgang luftdicht. In diesem Stöpsel müssen drei Elemente enthalten sein:

  1. Ein kleiner Lautsprecher, der dem Trommelfell einen Ton oder ein Geräusch zuführt.
  2. Ein Mikrofon, das die Lautstärke des vom Trommelfell zurückgestrahlten Schalls misst.
  3. Einen Schlauch, der Luft zuführt oder Luft absaugt. Das Trommelfell bewegt sich dann etwas, damit ändert sich auch der reflektierte Schallanteil, der vom Mikrofon gemessen wird.

Die Impedanzaudiometrie setzt sich aus zwei Messungen zusammen, die beide nacheinander innerhalb von etwa 30 Sekunden hintereinander ablaufen und völlig schmerzfrei durchgeführt werden können, nämlich der Tympanometrie und der Stapediusreflexmessung.

 

Tympanometrie

Bei der Tympanometrie wird die Impedanz gemessen in Abhängigkeit vom Druck im Gehörgang: Die Impedanzkurve weist einen Gipfel auf, der der Trommelfellbeweglichkeit entspricht. Die Messung kann nur funktionieren, wenn der Stöpsel dicht schließt und sich kein Loch im Trommelfell befindet.

Eine abgeflachte Kurve weist auf einen Erguss, also auf Flüssigkeit in der Pauke hinter dem Trommelfell hin, ebenso lässt sich ein Unterdruck in der Pauke erkennen.

 

Stapediusreflexmessung

Den Steigbügel bezeichnet man als Stapes. Er leitet die Schallenergie, die auf das Trommelfell trifft, vom Mittelohr dem Innenohr zu. Ein winziger Muskel im Mittelohr, der Musculus stapedius, setzt am Steigbügel an und zieht bei einem sehr lauten Geräusch den Steigelbügel weg vom Innenohr. Damit wird das Innenohr vor überlauten Geräuschen geschützt.

Der Steigbügel ist aber über die anderen beiden Gehörknöchelchen letztlich mit dem Trommelfell verbunden. Bei einer solchen kleinen Steigbügelbewegung bewegt sich damit auch etwas das Trommelfell und dies führt zwangsläufig auch zu einer kleinen Änderung der Impedanz.

Die Messung des Stapediusreflexes wird unmittelbar nach der Tympanometrie durchgeführt. Bei normalem Druck im Gehörgang wird zuerst der normale und relativ leise Ton zur Impedanzmessung zugeführt. Für einen kurzen Augenblick wird jetzt ein lauterer Ton zugeschaltet, der Stapes und damit das Trommelfell wird kurz angespannt, das Mikrofon im Stöpsel misst die kurze Impedanzänderung.

Die Messung kann nur funktionieren, wenn der Stöpsel den Gehörgang dicht abschließt, kein Loch im Trommelfell ist, kein Erguss im Mittelohr bzw. in der Pauke sich befindet und sich das Trommelfell bewegen kann, wenn die Gehörknöchelchen normal beweglich sind, also keine Vernarbungen oder Verknöcherungen (z. B. Otosklerose) bestehen, wenn der ganze Reflexbogen bis ins Stammhirn und wieder zurück ins Mittelohr funkiert, also z. B. kein Tumor des Hörnerven (Akustikusneurinom) oder Stammhirnes und auch keine Hirn- oder Nervenerkrankung vorliegt.

Der Reflexbogen ist relativ kompliziert, auf dem gesamten Weg darf keine Störung vorliegen, sonst klappt die Messung nicht: Schallaufnahme auf dem Trommelfell - Weiterleitung über die Gehörknöchelchen zum Innenohr - Wahrnehmung des lauten Tones im Innenohr - Weiterleitung des Tones über den Hörnerven - Umschaltung der Nervenerregung auf Hirnstammkerne (Nucleus cochlearis und obere Olivenkerne und Kern des Nervus facialis, des Gesichtsnerven, auch auf die Gegenseite) - Weiterleitung über den Gesichtsnerven, den Nervus facialis zum Nervus stapedius und damit zum Muskulus stapedius, der jetzt den Steigbügel anspannt und damit das Innenohr schützt. Dieser Vorgang beansprucht etwa 100 Millisekunden, dann tritt der Schutz des Innenohres vor Überlauten Geräuschen ein.

Der Reflex wird auch auf das andere Ohr umgeschaltet, das heißt, man kann den Reflex im selben Ohr messen, in dem das laute Geräusch angeboten wurde (ipsilaterale Reflexauslösung) oder auch im anderen Ohr (kontralaterale Reflexauslösung). Auf diese Weise kann man den Reflex sogar in einem Ohr messen, das keine oder eine sehr schlechte Hörfähigkeit besitzt!!!

Dies zeigt, dass man mit der Impedanzaudiometrie eine ganze Reihe von Funktionsprüfungen rund ums Ohr und das Stammhirn duchführen kann, trotzdem die Messung auf den ersten Blick lächerlich einfach erscheint.

 

Otoakustische Emissionen

Als otoakustische Emissionen werden leiseste Töne bezeichnet, die aus dem Ohr abgegeben werden. Die otoakustischen Emissionen haben nichts mit Ohrgeräuschen oder Tinnitus zu tun!!! Die otoakustische Emissionen entstehen im Bereich der äußeren Haarzellen. Schon vor Jahrzehnten hatte man erkannt, dass die äußeren Haarzellen für das Hören leiser Geräusche verantwortlich sind, die inneren Haarzellen für das Hören lauterer Geräusche. Erst im Laufe der achtziger Jahre erkannte man die genaue Funktion dieser äußeren Haarzellen: Nach Beschallung geraten sie in Schwingung und leiten diese nun verstärkte Schwingung an die inneren Haarzellen weiter, wo dann das eigentliche Hören, d.h. die Umsetzumg der mechanischen Schallwelle in ein elektrisches Signal stattfindet. Dies bedeutet, dass die äußeren Haarzellen einen aktiv schwingenden Verstärkungsmechanismus für leisere Geräusche darstellen. Die Schwingungen der äußeren Haarzellen erzeugen natürlich selbst einen Ton, der vom Ohr wieder nach außen abgestrahlt wird. Mittels eines physikalischen bzw. computertechnischen Tricks, der das unterschiedliche Verhalten linearer und nicht-linearer Schalleffekte ausnutzt, können diese äußerst leisen Töne gemessen werden.

Die Messung ist scheinbar denkbar einfach:

Mit einer Sonde werden Click-Geräusche mittlerer Lautstärke ins Ohr abgegeben. In den kurzen Pausen zwischen den Clicks wird das reflekierte Geräusch sowie das vom Ohr abgegebene Geräusch gemessen und mit Hilfe des oben angedeuteten "Tricks" wird das vom Ohr abgegebene Geräusch, die otoakustische Emissionen, herausgefiltert und in einer Kurve dargestellt. Jedes Ohr gibt dabei ein individuelles Kurvenbild ab, kein Kurvenbild gleicht dem anderen. Um sicherzustellen, dass es sich nicht um eine Zufallskurve handelt, teilt der Messcomputer die Messungen in zwei Teile auf und vergleicht die beiden entstehenden Kurven. Stimmen diese Kurven in einem hohen Prozentsatz überein, so sind die otoakustischen Emissionen nachgewiesen.

Die ganze Messung dauert meist nur 2-3 Minuten und sieht wenig spektakulär aus: Im Ohr sitzt die Messsonde, das Geräusch im Ohr wirkt nicht störend, das Ergebnis im Computer entsteht ohne jede Zeitverzögerung.

 

Was sagt der Nachweis der otoakustischen Emissionen aus?

Man geht heute davon aus, dass die äußeren Haarzellen empfindlicher als die inneren Haarzellen sind. Dies bedeutet, wenn die äußeren Haarzellen funktionieren, so sollten also auch die inneren Haarzellen funktionieren. Dies bedeutet: Sind die otoakustischen Emissionen eindeutig nachweisbar, so ist davon auszugehen, dass das gesamte Ohr funktioniert, d. h. dass der Patient normal oder annähernd normal hört!

 

Was bedeutet es, wenn keine otoakustischen Emissionen nachweisbar sind?

Leider ist die ganze Messung manchmal leider doch nicht so einfach,wie oben geschildert.
Mitunter gelingt die Messung einfach nicht, weil der Patient - z. B. ein Säugling - einfach zu unruhig ist, oder weil vielleicht doch eine leichte Schwerhörigkeit vorliegt, so dass bereits keine otoakustischen Emissionen vorliegen. Insgesamt ist die Messung störanfällig.

Die bedeutet letztlich, dass wenn keine otoakustische Emissionen nachweisbar sind, keine vernünftige Aussage über das Ohr gemacht werden kann. Auf keinen Fall bedeutet dies, dass zwingend etwas krankhaftes vorliegt! In solch einem Fall muss man versuchen, auf andere Weise das Ohr zu untersuchen, um festzustellen ob irgendetwas bezüglich des Hörvermögens nicht stimmt. Es kann durchaus sein, dass trotzdem ein völlig normales Hörvermögen vorliegt.

 

Welche Bedeutung hat die Messung der otoakustischen Emissionen?

Insbesondere bei Säuglingen kann man ohne Mitarbeit feststellen, ob eine Normalhörigkeit vorliegt. Viele Hörschäden gehen insbesondere im Frühstadium mit Störungen im Bereich der äußeren Haarzellen einher, dies sollte durch die Messung der otoakustischen Emissionen nachvollziehbar sein, z. B. Haarzellschäden nach Lärmeinwirkung.

 

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